Kreditkartenbetrug vorbeugen – Was tun Banken?

kreditkartenbetrug vorbeugen

Mit gefälschten Kreditkarten oder gestohlenen Kartendaten gehen Kriminelle immer öfters einkaufen. Was tun die Banken? Was tut MasterCard und Visa um den Missbrauch zu vermeiden? Auf wichtige Fragen gibt es hier die Antworten.

Herr Joachim Kolbitz bezahlt mit seiner Kreditkarte, das Weihnachtsessen, welches er in einem Stuttgarter Fünf-Sterne-Hotel zu sich genommen hat. Mit der Kreditkarte von Herrn Joachim Kolbitz verschwindet der Ober des Restaurants und bringt kurze Zeit später die Kreditkarte mit dem Abbuchungsbeleg zurück. Circa drei Monate später, wird Herr Kolbitz von seiner Bank informiert und gefragt, ob er in der letzten Zeit Urlaub im Ausland verbracht hat.

Es wurden Abrechnungen bei seiner Kreditkarte in verschiedenen Ländern angezeigt, in England und Brasilien, Rechnungen fürs Tanken gebucht und in verschiedenen Märkten eingekauft. Das Verbaucherverhalten hatte sich plötzlich verändert. Daher wurde der Kreditkartenanbieter misstrauisch.

Die Kreditkarte des 47 Jährigen wurde mit diesen Beträgen belastet, jedoch hatte er nichts davon bemerkt. Herr Kolbitz teilte der Bank mit, dass er die Kreditkarte nur selten benutzt hatte und schon gar nicht im Ausland. Die Bank hat den Verdacht, dass die Daten der Karte kopiert wurden oder an der Leitung für die Übertragung der Daten des Hotels eine Manipulation vorliegt. Herr J. Kolbitz quittiert mit seiner Unterschrift auf einem Vordruck, dass er nicht in diese Ländern gereist ist und somit ist diese Sache für ihn abgeschlossen. Solche Betrugsfälle kommen auch hierzulande vor.

Wie erhalten Betrüger die Kreditkartendaten?

Um an die Kartendaten zu kommen, nutzen Kriminelle verschiedene Methoden. Wie im Fall von Herrn Kolbitz brauchen die Betrüger die Karte gar nicht mehr selbst in der Hand haben. An manipulierten Automaten zum Geldabheben, Module zur Türöffnung oder beim Bezahlen an Terminals in Geschäften, überall können die Magnetstreifen von der Kreditkarte kopiert werden.

Skimming

Wenn dazu die PIN ausgekundschaftet wurde und danach die Kartendaten auf einen Rohling kopiert werden (SKIMMING), ist die gefälschte Karte zum Einsatz bereit. Die gefälschten Kreditkarten sind nur im (im außereuropäischen) Ausland an einem Geldautomaten einsetzbar. Innerhalb der EU sind Kreditkarten alle mit einem EMV-Chip vor der Ausgabe ausgestattet wurden. Diese Karten, mit dem EMV-Chip, gelten als fälschungssicher. In der EU wird auf den Chip zurückgegriffen und nicht auf dem Magnetstreifen, wenn der Kunde Geld abhebt am Automaten und häufig auch, wenn er mit der Kreditkarte bezahlt.

Phishing

Phishing ist eine weitere Betrugsmasche. Gefälschte Webseiten und E-Mails nutzen Kriminelle, um an die Daten des Kunden heranzukommen. Diese Daten werden, ohne dass der Besitzer der Kreditkarte es merkt, ausgekundschaftet. Im Alltag bekommen viele Kunden auch gefälschte E-Mails von Onlineshops, von Paypal oder sogar von Geldinstituten, wo der Kunde seine persönlichen Daten eingeben soll, Links anklicken oder aufgefordert wird die Anlagen zu öffnen. Wenn der Verbraucher dieser Aufforderung für die Dateneingabe nachkommt, kann der Kriminelle jetzt die Daten für sein betrügerisches Vorhaben verwenden.

Betrug verhindern – Was tun die Banken?

Das die Kreditkartendaten benutzt wurden hatte Joachim Kolbitz gar nicht gemerkt. Und das ist keine Ausnahme, sondern die Regel. Die Banken wollen den Betrug mit Kreditkarten verhindern. Nicht nur der Kunde, sondern die Bank wollen, dass die Zahlungsdaten des Kreditkarteninhabers nicht in falsche Hände kommen. Sie arbeiten mit diversen Abteilungen und Beratern eng zusammen, um den Schaden so gering wie möglich zu halten.

Dirk Böck, Leiter der Betrugsabteilung der Targobank, sagte:

“In mehr als 90 Prozent der Fälle, weiß die Bank vor dem Kunden, dass ein Betrug vorliegt.”

Bankdetektive, bestehend aus einem 15-köpfiges Team eines Düsseldorfer Kreditinstitutes, arbeiten rund um die Uhr (Schichtdienst). Wenn mit der Kreditkarte zum Beispiel eine hohe Summe bezahlt wird, erkennt ein technisches System in Echtzeit die Umsätze des Kunden. Dieses Verfahren kann dann eine Meldung ausgeben. Auch andere Auffälligkeiten werden gemeldet, wie beispielsweise wenn die Kreditkarte am anderen Ende der Erde eingesetzt wurde, auch wenn über mehrere Jahre keine Transaktion aus dem Ausland erfolgt ist. Eine enge Zusammenarbeit herrscht hier zwischen der Technik und dem Menschen, wobei der Mitarbeiter die letzte Entscheidung trifft.

Sollten Zweifel bestehen, wird der Kunde von der Bank befragt, ob er wirklich in das jeweilige Land gereist war. Sollte ein zwingender Grund auf Betrug vorliegen, werden die Buchungen nicht erledigt und es erfolgt eine Kreditkartensperrung, bis der Fall aufgeklärt wird.

Einige Geldinstitute informieren den Kunden per SMS, dass die Karte im Einsatz ist. Kreditkartennutzer sollten daher vor einer Reise mit ihrer Bank sprechen, um eine eventuelle unrechtmäßige Sperrung zu verhindern. Das ist wichtig, wenn der Kartenbesitzer eine Reise ins nichteuropäische Ausland macht, besonders nach Asien.

Die Betrugsrate in der Europäischen Union liegt derzeit bei 0,044 %, wie Visa bestätigt. 4 Cent pro ausgegebenen 100,00 Euro beträgt der Schaden bei Kreditkartenbetrug. Bankdetektiveinsatz zahlt sich aus, laut Aussage der Targobank. Diese Abteilung verhindert einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe und das jedes Jahr.

Visa und MasterCard – Welche Rolle spielen sie?

Kreditkarten, wie die von MasterCard oder Visa, werden mit verschieden Sicherheitsmerkmalen ausgestattet und dadurch werden die Banken bei Betrugsbekämpfung unterstützt. Real Time Scoring von Visa Europa, ein System was frühzeitig eine Warnung ausgibt und auch technische Instrumente, werden den Banken zur Verfügung gestellt. Das System ermittelt einen Risikowert, indem die Bankgeschäfte in Echtzeit eine Score feststellen. Nach der Bewertung kann die Bank entscheiden, ob der Transaktion zugestimmt wird, oder nicht.

MasterCard sagt: Die Kartenanbieter haben keinen Zugriff auf die Kontovorgänge der Kreditkartenbesitzer. Jedoch erkennen sie ob bei den Banken sich die Betrugsfälle erhöhen und erkennen danach die Sicherheitsprobleme.

Verwendung der Kreditkarte – Wie kann sie noch sicherer werden?

Anstatt PIN oder Passwort – Biometrie. Die Kreditkartenbesitzer können bald mit Fingerabdruck oder sich per Selfie beim Bezahlen identifizieren. MasterCard arbeitet an entsprechenden Technologien. Vorteil: Kartenbesitzer brauchen sich keine Passwörter mehr merken und fälschungssicher soll Biometrie auch sein.

Beim Mobile Payment kommen sogenannte Tokens zum Einsatz. Beim Bezahlen werden wahllos Zahlenreihen, anstatt der Kreditkartendaten übertragen, wie zum Beispiel bei der Bezahlung mit Smartphone oder NFC-fähigen Karten. “Tokens” sind also für Betrüger nutzlos und auch nicht manipulierbar, sozusagen „einmalig“.

Kartenmissbrauch – Was passiert jetzt?

Der Betrug wird aber nicht immer gleich von der Bank bemerkt. Merkt der Kunde, dass er Opfer von Kriminellen geworden ist, so muss er sofort seine Bank informieren und die Karten sperren lassen. Bis zu 150,00 Euro haftet der Karteninhaber selbst, laut Gesetz. Bei einigen Banken und Kreditinstituten wird dem Kreditkartenkunden jedoch der volle Betrag erstattet. Es darf kein betrügerischer oder gar grob fahrlässiger Vorsatz des Bankkunden vorliegen. Hat der Kunde seine Karte sperren lassen und die Bank wegen Betrugsverdacht informiert, ist die Bank Schadensersatzpflichtig.

Die Sperrnummer für das Konto lautet 116 116, diese Nummer ist rund um die Uhr erreichbar und innerhalb Deutschland ist dieser Dienst kostenlos. Sperr Notruf aus dem Ausland: +49 116 116. Einige Banken nutzen jedoch auch andere Nummern. Kunden sollten sich im Vorfeld darüber informieren.

Opfer eines Kreditkartenbetrugs zu werden ist zwar ärgerlich. Doch wie der Artikel zeigt, ist das finanzielle Risiko bei einer Karte aus unserem Kreditkarten Vergleich, sehr überschaubar. Die Bank verhinderte bei Herrn Joachim Kolbitz den Betrug. Mittlerweile ist er achtsamer geworden, wenn er mit seiner Kreditkarte bezahlt. Seine Karte gibt er jetzt beim Bezahlen nicht mehr aus der Hand, ohne das er sieht was passiert.

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