Die Kreditkarte als Motor für das Verbraucherkreditgeschäft

Wie so vieles andere, so ist auch die Kreditkarte aus den USA über den großen Teich nach Europa gekommen. Die dortigen Anfänge gehen zurück in die 1890er-Jahre. Damalige Idee war die Kreditkartenausgabe von Hotels an ihre Stammgäste, um denen das lästige Bargeldbezahlen zu ersparen. In den 1920er-Jahren folgte dann eine rasche Verbreitung auf den gesamten US-amerikanischen Konsumbereich. Heute, rund hundert Jahre später, ist die „Bankkreditkarte“, wie die Kreditkarte offiziell bezeichnet wird, eine Kombination aus bargeldlosem Zahlungsmittel sowie aus Zugang zu Bargeld am Geldautomaten. Von Beginn an war mit der Kreditkarte immer auch ein Kartenkredit verbunden. Für den Karteninhaber, und darauf wird hier einmal näher eingegangen, ist es durchaus von Interesse, welche Kreditart als welcher Kartenkredit zu welcher Kreditkarte gehört.

  • Um was für eine Kreditkarte handelt es sich? (Charge-Kreditkarte = Abrechnung in einer Summe zum Monatsende, Revolving-Kreditkarte = Ratenzahlungen mit Sollzinsen möglich, Debit-Kreditkarte = Zeitnahe Verrechnung mit dem Guthaben, Prepaid-Kreditkarte = Sofortige Verrechnung mit dem Guthaben auf der Karte)
  • Wie gestaltet sich das Bedienen des Kartenkredites mit der monatlichen Rückführung
  • Wird zusätzlich zum Kreditkartenkonto ein weiteres, das sogenannte Referenzkonto benötigt

Weltweite Kreditkartenherausgeber Japan Credit Bureau JCB, MasterCard und VISA

Ganz unabhängig davon, ob es sich um eine dieser drei Kreditkarten handelt, oder um diejenige von AMEX, Barclaycard oder Diners Club, hat jede von ihnen ihr eigenes Angebot für den Kartenkredit. Da es sich dabei um einen vertraglichen Kredit handelt, ist der in allen Fällen bonitätsabhängig. Hier in Deutschland wird die Kreditwürdigkeit des Karteninhabers anhand des Schufa-Basisscore geprüft und bewertet. Der Kartenkredit ist für den Kartenbenutzer eine zusätzliche Verbindlichkeit, und für das betreffende Kreditinstitut mit dem latenten Risiko eines, wenn auch meistens theoretischen Kreditausfalls verbunden.

Verschiedene Kreditkarten nacht Kreditarten

Während bei einigen Kreditkartenanbietern ein normaler Ratenkredit der gängige Kartenkredit war, führte die US-amerikanische American Express Company, kurz AMEX von Beginn an die Revolving Kreditkarte ein. Sie ist gleichbedeutend mit einem heutigen Rahmenkredit auf dem Girokonto. Revolving bedeutet, dass der Kartenkredit bis zur maximalen Höhe der Kreditlinie innerhalb der Kreditlaufzeit in wechselnder Höhe immer wieder neu in Anspruch genommen werden kann; und zwar auch dann, wenn zwischenzeitlich keine, eine komplette oder nur teilweise Tilgung erfolgt. Mit dieser Kreditkarte verschafft sich der Kartenbenutzer eine dauerhaft erhöhte Liquiditätsspanne für alle mit der Kreditkarte machbaren Zahlungsvorgänge. Der Revolving Kredit für die Kreditkarte ist wie der Dispo-Kredit für das Girokonto. Die Kosten steuert der Kartenbenutzer, indem er selbst entscheidet, wie weit er den Kartenkredit ausschöpft, und wie hoch er die Rückzahlung gestaltet.

Der Kartenkredit mit monatlichem Kontoausgleich gehört zu der klassischen Kreditkarte als einem Ersatzzahlungsmittel für das Bargeld. Anstelle Geld zu geben, zu nehmen und zu wechseln reicht eine Unterschrift. Das Geldvermögen als solches ist vorhanden, um am Monatsende die angesammelten Beträge in einer Summe zu bezahlen. Diese Art von Kreditkarten werden in der Regel einmal im Monat abgerechnet, für den Zeitraum zwischen Transaktion und Abrechnung werden keine Sollzinsen berechnet. Eine Ratenzahlung, wie bei einer Revolving-Kreditkarte, ist nicht möglich. Dieser Kartenkredit ist eine ebenso einfache wie klare Angelegenheit. Die Kreditkarte selbst wird als Charge-Kreditkarte bezeichnet.

Die Debit-Kreditkarte wird seit Mitte der 2000er-Jahre angeboten. Sie ist nicht mit einem eigenen Kartenkredit versehen, sondern an das Guthaben und den Dispo-Kredit auf dem Girokonto gekoppelt. In diesem Fall sind Kartenanbieter und kontoführendes Kreditinstitut ein und dasselbe. Der Dispo-Kredit wird nicht nur für den Zahlungsverkehr auf dem Girokonto, sondern auch für die Kartenbenutzung verwendet, sozusagen darauf angerechnet. Das englische Wort Debit heißt ins Deutsche übersetzt Konto belasten. Bei der Debit-Kreditkarte wird die Kartenverfügung sofort demjenigen Girokonto belastet, zu dem die Kreditkarte gehört. In diesem Sinne ist die Debit-Kreditkarte identisch mit einer Girokarte, jedoch mit den erweiterten Bankdienstleistungen und Funktionen einer Kreditkarte mit eigenem Kartenkredit. Die Debit-Kreditkarte ist eine geradezu ideale Lösung für Kartenbenutzer ohne die Bonität für einen zusätzlichen Kartenkredit.

Etwa zur selben Zeit wurde die Prepaid-Kreditkarte eingeführt. Sie ist ebenfalls eine Debit-Karte; sprich eine vollwertige Kreditkarte ohne eigenen Kartenkredit mit Belastung des Referenz- beziehungsweise Kartenkontos sofort und in Echtzeit nach jeder Kartenverfügung. Abhängig von dem jeweiligen Kartenanbieter kann es sich bei dem Kartenkonto um das für die Kreditkarte handeln, oder so wie bei der Debit-Kreditkarte um das Girokonto der Hausbank. Entscheidend ist für die Prepaid-Kreditkarte, dass sie nur solange benutzbar und funktionsfähig ist, wie das Referenz-/Kartenkonto einen Guthabensaldo ausweist. Unterbuchungen sind nicht möglich, in diesem Moment verliert die Prepaid-Kreditkarte ihre Funktion.

Vernetzung, Automatisierung und Digitalisierung im 21. Jahrhundert

In der heutigen Zeit gegen Ende der 2010er-Jahre ist „eine einzige Bonität“ ausschlaggebend. Datenaustausch, Vernetzung von Kreditinstituten und Kartenanbietern untereinander, Automatisierung sowie Digitalisierung ermöglichen einen Informationsaustausch innerhalb weniger Minuten. Während es noch vor ein, zwei oder drei Jahrzehnten kein Problem war, drei ausreichend gute Bonitäten für den voneinander unabhängigen Dispo-Kredit, Ratenkredit und Kartenkredit beizubringen, ist das heutzutage ausgeschlossen. Ist die Bonität für mehrere Kreditarten ausreichend gut, dann sucht sich der Karteninhaber die für sich günstigste Lösung aus. Ist die Bonität hingegen nicht ausreichend gut, dann nimmt er das was er bekommen kann. Das ist dann die Kreditkarte ohne separaten Kartenkredit, also diejenige in Verbindung mit dem Girokonto mit beziehungsweise ohne Dispo-Kredit.

In den heutigen Jahren der Niedrigzinsphase handelt auch der Kartenbenutzer zunehmend kostenbewusst; denn der

  • separate Kartenkredit ist die mit Abstand teuerste Lösung (Revolving-Kreditkarte, Ratenzahlung möglich)
  • Kartenkredit wird jeden Monat in voller Summe abgerechnet (Maximal 30 Tage Zahlungsaufschub, keine Ratenzahlungen bzw. Sollzinsen möglich – Charge-Kreditkarte)
  • Dispo-Kredit ist seinerseits immer noch erheblich teurer als ein Ratenkredit als Konsumkredit

Als Fazit bleibt festzuhalten

dass die vielfältigen Vorteile einer Kreditkarte auch ohne den angebotenen Kartenkredit in Anspruch genommen werden können. Ganz nach der Redewendung „Beides haben – das eine tun – das andere lassen“.

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