Warum der Discounter „Aldi“ auf die Kreditkarten der Superreichen setzt

In der Regel werden in Supermärkten und Discounter nur Visa und MasterCard Kreditkarten akzeptiert. Doch jetzt sind auch American Express Kreditkarten beim Marktführer Aldi gern gesehen. Mit dem Deal will Aldi doppelt profitieren, denn nur um reiche Kunden geht es dabei Aldi nicht.

Viele Prominente besitzen eine Black Card von American Express. Darunter zählen Schauspieler, wie Halle Berry (Schauspielerin), Musiker zum Beispiel der bekannte Rapper Kanye West (der die Black Card von American Express sogar besingt) oder der Musiksuperstar Beyoncé. Angeblich dürfen alle Besitzer dieser Karte einen exquisiten Concierge-Service nutzen und dies rund um die Uhr, für alle Lebenslagen. Und es gibt kein Limit beim Einkauf zu beachten, man kann alles kaufen. Der Nachteil ist, es muss ein Umsatz pro Jahr in einer sechsstelligen Höhe getätigt werden.

Was der Rennwagen für Autobauer ist, ist für Kreditkartenorganisationen eine “Supercard”, wie eben die Centurion Card von American Express. Ihre Existenz steigert das Ansehen der Marke, aber die Karte ist nicht so einfach zu bekommen.

Allerdings machen solche spezielle Kreditkarten nur einen kleinen Anteil der Geschäfte von American Express aus. Doch selbst die ganz normalen Kreditkarten von American Express waren exklusiver als die der anderen Kartenanbieter. Amex gilt als wertvollste Kreditkarten Marke der Welt, deshalb mussten Akzeptanzstellen und Kunden, schon immer tiefer in die Taschen greifen als bei anderen Kreditkartenanbietern. Diese Plastekärtchen wurden als Zahlungsmittel in noblen Geschäften und gehobenen Restaurants eingesetzt.

Kontaktlos Bezahlen mit Amex auch bei Aldi Süd

Das Außergewöhnliche: Seit Juli 2016 akzeptiert auch „Aldi Süd“ die American Express Gold Card in ungefähr 1900 Supermärkten. Die Kartenfirma teilte mit: „Der erste große Discounter für Lebensmittel, Aldi Süd, nehme jetzt die Zahlung mit American Express Card in allen Filialen entgegen.” Das gab ein Grund zur Freude bei American Express (Kurzform Amex). Denn bis zu diesem Zeitpunkt durften Kunden nur mit MasterCard oder Visa Card bei der Supermarktkette bezahlen.

Die kontaktlose Bezahlung wird von Aldi Süd damit ebenfalls vorangetrieben, denn diese Möglichkeit zum Bezahlen mit Amex wird bald allen Kreditkartenbesitzer von American Express Karten zur Verfügung stehen. Gut möglich, dass genau das der Grund ist, warum Kunden jetzt auch bei Aldi mit American Express bezahlen können. Die Discounter, der Einzelhandel eingeschlossen, setzen an den Kassen auf eine Beschleunigung des Bezahlvorgangs. Dass erreicht man  mit der neuen Technologie: der kontaktlosen Bezahlung. Wenn noch mehr Kunden diese relativ neue Technologie nutzen, ist der Bezahlvorgang umso schneller abgeschlossen.

Die Near-Field-Communications-Technologie (Abkürzung: NFC-Technologie) wird auch wie bei anderen Kreditkarten eingesetzt. Bei Beträgen in Höhe bis 25 Euro wird an den Kassen keine extra Authentifizierung (Eingabe der PIN, Unterschrift) verlangt. Die Kreditkarte muss lediglich kurz an das Kartenlesegeräte gehalten werden. Große Erwartungen hat dabei der deutsche Einzelhandel.

In der Studie, die das Kölner Handelsforschungsinstituts „EHI“  durchführte, wurde folgendes prognostiziert: Ein Großteil der Handelsunternehmen, 60 Prozent, wollen bis Dezember 2016 die kontaktlose Kartenzahlung akzeptieren. Organisationen für Kreditkarten wie zum Beispiel MasterCard und auch die Deutsche Kreditwirtschaft, haben parallel dazu ihre Karten NFC-fähig gemacht. Selbst die Girocard (ehemals EC-Karte), die begehrteste Karte der Deutschen, wird Stück für Stück auf diese neue Technik umgestellt. In Kassel gibt es dazu schon Pilotprojekte. Dort ist diese Karte schon kontaktlos einsetzbar.

Jede Sekunde zählt

Der Löwenanteil der Einkäufe, deckt das kontaktlose Zahlen mit der 25 Euro Schwelle ab. Die Kassen im Einzelhandel (Deutschland) klingeln und das nicht schlecht, 18 bis 20 Milliarden Mal im Jahr. Die Durchschnittssumme eines Kassenzettels in einer Drogerie beträgt 12,28 Euro. In Supermärkten wird im Schnitt für 13,93 Euro eingekauft. Zwar werden drei viertel solcher kleinen Beträge noch in bar beglichen. Jedoch macht die Kartenzahlung schnelle Fortschritte, wie auch der Einzelhandel bestätigen kann.

Beim Bezahlen kommt es für den Händler auf jede Sekunde an. Circa 15 bis 28 Sekunden liegen zwischen der Nennung des Bezahlbetrags und der Übergabe des Kassenbons. Ermittelt hat diese Zahl das „EHI“. Jeden Tag werden Tausende von Kunden “abkassiert”. Durch die neue Technologie wird viel Zeit eingespart, weil dadurch das Tempo sehr gesteigert wird. Jedoch entsteht ein Nachteil: Durch den Einsatz der neuen Technologie kann so manche Stelle des Kassierers eingespart werden. Die herkömmlichen bargeldlosen Bezahlsysteme machen die Zahlung nicht unbedingt schneller. Jedoch wird mit der NFC-Technik der bargeldlose Zahlvorgang beschleunigt, zumindest erhoffen sich das die Händler.

EHI stellte fest, dass ein rasanter Durchbruch unwahrscheinlich ist, denn die Kunden brauchen Übung und das nötige Vertrauen in die neue Technik. Zur Zeit fehlt den Kunden dieses Vertrauen und die Übung. Die Autoren der Studie kommen zu der Schlussfolgerung, dass noch viel Überzeugungsarbeit bei den Kunden geleistet werden muss.

Für die Händler könnte es aber ein Trost sein: Gibt es mehr von den Black-Card-Kunden, die Ihre Karte beim Supermarkt einsetzen, würde der durchschnittliche Betrag für den Einkauf steigen. Dann käme es natürlich nicht mehr auf jede Sekunde an.

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